Weil es nicht gereicht hat

Veröffentlicht am 4. Oktober 2026 um 04:34

... kann ich nur mehr in den Sommermonaten an neuen Aufträgen arbeiten.

Dass man vom Literaturübersetzen allein nicht leben kann, war mir von Anfang an klar. Trotzdem hatte ich 2018, als ich mich als Literaturübersetzerin selbstständig gemacht habe, gehofft, ich könnte mich mit zusätzlichen Nebenjobs über Wasser halten. Und dass, je mehr Bücher ich übersetzt hätte, ich umso mehr neue Übersetzungsaufträge an Land ziehen könnte. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Und da ich möchte, dass meine Töchter studieren können, und dass nicht alles vom Einkommen meines Partners abhängt, arbeite ich seit September 2026 wieder in Vollzeit als Lehrerin. Da ist mein Einstiegsgehalt gleich mal das Dreifache von dem, was ich mit meiner Übersetzungstätigkeit UND Nebenjobs verdient habe.

Ich liebe das Literaturübersetzen nach wie vor, und ich habe an ALLEN Übersetzungen, die ich in den letzten acht Jahren für Verlage anfertigen durfte, wahnsinnig gern gearbeitet und in jedes Buch, jedes Theaterstück, jedes Gedicht, jeden Text sehr, sehr viel Zeit, Liebe, Geduld und Kniffelei investiert und mit jedem Übersetzungsprojekt dazugelernt. Hoffentlich ist es noch nicht ganz vorbei mit dem Literaturübersetzen. Aber ich werde nur mehr kleinere Aufträge, hauptsächlich in den Sommermonaten annehmen können.

Mit dem Titel dieses Textes möchte ich der Protestkampagne "UNS REICHT’S – WEIL ES NICHT REICHT", initiiert von Lisa Kögeböhn und Barbara König, ausdrücklich meine Unterstützung zusprechen.